Offshore-Windbranche: Standards für Turbinen unverzichtbar
Die Offshore-Windbranche steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Um die Klimaziele Europas zu erreichen, muss die installierte Leistung der Offshore-Windkraftanlagen bis 2030 von 36 auf 120 Gigawatt steigen. Dies erfordert den Bau von 5.600 neuen Anlagen der 15-Megawatt-Klasse in nur sieben Jahren. Die Branche hat sich verpflichtet, ihre Kapazitäten von sieben auf 20 Gigawatt pro Jahr fast zu verdreifachen. Doch steigende Kosten und Lieferengpässe erschweren dieses Vorhaben. Eine aktuelle Analyse von Roland Berger zeigt, dass die Einführung von Offshore-Windstandards entscheidend sein könnte, um diese Herausforderungen zu meistern.
Der schwindende Kostenvorteil größerer Turbinen
In der Vergangenheit führte der Wettlauf um immer größere Turbinen zu erheblichen Kostensenkungen. Doch laut Roland Berger schwindet dieser Vorteil. Größere Turbinen bedeuteten einst geringere Stromgestehungskosten, da weniger Anlagen für die gleiche Leistung benötigt wurden. Doch der Kostenvorteil wird immer kleiner, während die Anforderungen an die Lieferkette steigen. Kurze Produktlebenszyklen und schlechte Planbarkeit behindern das Hochfahren von Produktions- und Lieferkapazitäten. Die Offshore-Windstandards könnten hier Abhilfe schaffen, indem sie die Turbinengröße begrenzen und standardisieren.
Offshore-Windstandards als Lösung
Die Experten von Roland Berger empfehlen, den Wettlauf um immer größere Turbinen zu stoppen. Stattdessen sollten staatliche Windpark-Ausschreibungen europaweit einheitliche Offshore-Windstandards vorgeben. Diese Standards sollten sich an der aktuellen Turbinengeneration mit 14 bis 15 Megawatt Leistung orientieren. So könnten Hersteller ihre Modelle weiter optimieren und alle Beteiligten sich auf gleichbleibende Dimensionen einstellen. Dies würde die Planbarkeit erhöhen und die Lieferketten stabilisieren.
Planbarkeit und Stabilität der Lieferketten
Ein langfristig gültiger Standard würde der Branche ermöglichen, eine robuste, industrialisierte Lieferkette aufzubauen. Marc Sauthoff von Roland Berger betont, dass ein Zeitplan für die schrittweise Anhebung der Turbinengröße nötig ist. So können Anbieter den Bedarf genau prognostizieren und ihre Lieferkapazitäten sowie Investitionen in technologische Innovationen vorausplanen. Die Offshore-Windstandards würden somit nicht nur die Stabilität der Lieferketten erhöhen, sondern auch die Sicherheit von Investitionen verbessern.
Vorteile der Standardisierung
Die Standardisierung bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Höhere Produktionsvolumina derselben Turbinentypen fördern Lerneffekte und steigern die Effizienz und Produktqualität. Die gesamte Lieferkette wird stabiler und routinierter. Die bessere Vorhersehbarkeit der zukünftigen Entwicklung erhöht die Sicherheit von Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung oder in den Ausbau von Produktionsanlagen. Erfahrungen aus anderen Sektoren, wie der Telekommunikationsindustrie, zeigen, dass Standards die Kosten senken und das Tempo des Kapazitätsausbaus steigern können.
Einheitliche Standards als Schlüssel zum Erfolg
Für den Erfolg der europäischen Offshore-Windindustrie ist nicht mehr die Größe der Turbinen entscheidend. Vielmehr kann die Branche nur dann zukunftssicher werden, wenn sie ihre Lieferketten weiter industrialisiert. Voraussetzung dafür ist, dass der Teufelskreis des Wettlaufs um immer größere Turbinen durch einen europaweit einheitlichen Standard durchbrochen wird. Die Offshore-Windstandards könnten somit der Schlüssel sein, um die ambitionierten Ausbauziele zu erreichen und die Branche wettbewerbsfähig zu halten.
Roland Berger, eine weltweit führende Strategieberatung, hat sich auf die Transformation und Innovation in verschiedenen Branchen spezialisiert. Mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro im Jahr 2023 ist das Unternehmen ein wichtiger Akteur in der Beratung der Offshore-Windbranche. Die Expertise von Roland Berger könnte entscheidend dazu beitragen, die Offshore-Windstandards zu etablieren und die Branche auf Erfolgskurs zu bringen.



